An meine Völker!

Zu den besonderen Kleinodien in der großen Sammlung von Frau Anna Müller im Museum für Alltagskultur Neumarkt zählt ein nur wenige Zentimeter großes Büchlein aus dem Jahre 1914, das im Glasschrank des Toilettenzimmers im zweiten Stock aufbewahrt wird.

Das knapp 2,5 x 2,2 cm große Büchlein enthält auf 47 Seiten die vollständige Rede von Kaiser Franz Joseph an seine Untertanen zu Beginn des ersten Weltkrieges. Sie wurde auf Antrag des Kaisers am Mittwoch, 29. Juli 1914, in der Wiener Zeitung Nr. 175 als amtliche Mitteilung an seine Untertanen veröffentlicht und wirkungsvoll auch in diesem Kleinstbuchformat.

Mit dieser Ansprache warb der Kaiser um Verständnis für die Kriegserklärung an Serbien, die einen Tag zuvor erfolgt war, nachdem im Juni der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajevo von einem Attentäter erschossen worden waren. Das Manifest war Teil der umfassenden Kriegspropaganda, die in der Bevölkerung die Begeisterung für den Ersten Weltkrieg wecken sollte.

Auf dem silbernen Buchdeckel ist auf der Vorderseite das Profilportrait Kaiser Franz Josefs und die Schrift „AN MEINE VÖLKER“, auf der Rückseite „DAS MANIFEST DES KAISERS / 28. JULI 1914“ eingestanzt.

Einige Museumsbesucher/innen erzählten, das Büchlein zu besitzen oder auch in anderen Museen gesehen zu haben. Das bestätigt die Angaben, dass dieses Sammlerobjekt in größerer Auflage hergestellt und vom Volk aus Liebe und Begeisterung für Kaiser und Vaterland eifrig erworben wurde.

An meine Völker - Rede Kaiser Franz Josephs im Kleinstbuchformat

Die Rede Kaiser Franz Josephs im Kleinstbuchformat.

 

Am Rande bemerkt: In der Ritschausgabe Dezember 1999 (Mitteilungsblatt der Gemeinde Neumarkt) schrieb Hedwig Zanotti im Rückblick auf das 20. Jahrhundert in unserem Heimatdorf zu diesem denkwürdigen Tag:

„Die Neumarktner veranstalteten am 29. Juli 1914 einen Fackelumzug durch das Dorf und durch die mit Lampions märchenhaft geschmückten Lauben, an dem alle Vereine, Honoratioren, die in der Vill stationierten Artilleriegarnison und die ganze Bevölkerung begeistert teilnahmen. Man ließ Kaiser und Vaterland hochleben, doch schon bald verwandelte sich die Siegeszuversicht in schweres Leid und bittere Not“.

Man verzeichnete sehr bald darauf die ersten gefallenen Soldaten.

Öffnungszeiten

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Führungen für Gruppen

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Museumsverband Südtirol