Kurioses aus dem Museum für Alltagskultur

In den Sammlungen des Museums für Alltagskultur finden sich so manche seltsame Gegenstände.

Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl verschiedener Kuriosa mit spannenden Geschichten.

Altreier Kaffee im Museum

Zum Internationalen Museumstag 2014 am Sonntag, 18. Mai, gab es im Museum für Alltagskultur den “Voltruier Kaffee“ und andere Köstlichkeiten aus der Altreier Kaffeebohne, serviert vom Verein der Lupinenanbauer aus Altrei, in Vertretung der Familie Otto Weth.

Der Kaffee aus den Samen der blauen Lupine war über viele Jahrzehnte pur oder vermischt mit Gerste oder Weizen ein beliebtes Genussmittel. Mit Einzug des „echten“ Bohnenkaffees geriet der Altreier Kaffee ab den 1950er Jahren  in Vergessenheit. In den Hausgärten hat die Lupinenpflanze jedoch überlebt und erfreut sich nun wieder großen Interesses. Aus ihrem „Kaffeepulver“ werden auch Süßigkeiten und neuerdings auch Brot gemacht. All das konnte man beim Internationalen Museumstag 2014 im Museum verkosten und nebenbei erfahren, wie das Sammeln und die Herstellung der Altreier Kaffeebohne gehandhabt wird.

Südtirol.info hat vor kurzem einen interesanten Videobeitrag zum Altreier Kaffee veröffentlicht: „Die drei Samen“ – wie Theresia Werth den Lupinenkaffee rettete.

 

Eindrücke vom Internationalen Museumstag 2014:

Produkte aus der Altreier Kaffeebohne zum Verkosten im Museum!
 
 
Auch die kleinen Besucher/-innen kamen beim Internationalen Museumstag ins Museum!
 

 


Die Jagd auf Fliegen, Mücken und Motten

Bekanntlich hat man in früheren Jahren, besonders im ländlichen Gebiet mit der Mücken- und Fliegenplage zu leiden und rückte ihr mit allerhand Gerät zu Leibe.

Fliegenglocke

Ein ganz besonderes Objekt aus dem 19. Jh.: die Fliegenglocke

 

Dieses interessante Objekt, auch Fliegenglocke genannt, steht auf dem Esstisch in der Küche im zweiten Stock des Museums für Alltagskultur und wird folgendermaßen beschrieben (Katalog der Kulturgüter in Südtirol, Iventarnummer 0042):

Halbkugelförmige Glaskaraffe mit nach innen gestülptem Boden und drei blattförmigen Füßen; der gewölbte Boden hat eine Öffnung von 8 cm Durchmesser. Dadurch ergibt sich eine ringförmige Bodenrinne um die Öffnung, die von oben mit z.B. Zuckerwasser-Lösung gefüllt wird und mit einem Steckstöpsel verschlossen. So angelockt, fliegen die Insekten durch die Bodenöffnung ein und sind gefangen.

 

Die Datierung dieses Objektes fällt auf das 19. Jahrhundert. Ein anderes Insektenfanggerät war bekanntlich der klebrige Fliegenfänger der meist in Lampennähe überall im Hause und sogar im Stall von der Decke herabhing und einen süßlichen Duft  verbreitete. Davon angelockt kamen die Motten und Fliegen von der klebrigen Oberfläche nicht mehr los und fanden so ein leidvolles Ende. Kein schöner Anblick bei diesen Fangarten, man war jedoch nicht so zimperlich, waren die Vieher doch so lästig für Mensch und Tier.

Wenn man der Plage nicht mehr Herr war griff man schließlich zur Chemie. Dazu gab es ein besonderes Gerät das in der alten Rauchküche zu sehen ist: Die Fliegen- oder Flitspritze.


An meine Völker!

Zu den besonderen Kleinodien in der großen Sammlung von Frau Anna Müller im Museum für Alltagskultur Neumarkt zählt ein nur wenige Zentimeter großes Büchlein aus dem Jahre 1914, das im Glasschrank des Toilettenzimmers im zweiten Stock aufbewahrt wird.

Das knapp 2,5 x 2,2 cm große Büchlein enthält auf 47 Seiten die vollständige Rede von Kaiser Franz Joseph an seine Untertanen zu Beginn des ersten Weltkrieges. Sie wurde auf Antrag des Kaisers am Mittwoch, 29. Juli 1914, in der Wiener Zeitung Nr. 175 als amtliche Mitteilung an seine Untertanen veröffentlicht und wirkungsvoll auch in diesem Kleinstbuchformat.

Mit dieser Ansprache warb der Kaiser um Verständnis für die Kriegserklärung an Serbien, die einen Tag zuvor erfolgt war, nachdem im Juni der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin in Sarajevo von einem Attentäter erschossen worden waren. Das Manifest war Teil der umfassenden Kriegspropaganda, die in der Bevölkerung die Begeisterung für den Ersten Weltkrieg wecken sollte.

Auf dem silbernen Buchdeckel ist auf der Vorderseite das Profilportrait Kaiser Franz Josefs und die Schrift „AN MEINE VÖLKER“, auf der Rückseite „DAS MANIFEST DES KAISERS / 28. JULI 1914“ eingestanzt.

Einige Museumsbesucher/innen erzählten, das Büchlein zu besitzen oder auch in anderen Museen gesehen zu haben. Das bestätigt die Angaben, dass dieses Sammlerobjekt in größerer Auflage hergestellt und vom Volk aus Liebe und Begeisterung für Kaiser und Vaterland eifrig erworben wurde.

An meine Völker - Rede Kaiser Franz Josephs im Kleinstbuchformat

Die Rede Kaiser Franz Josephs im Kleinstbuchformat.

 

Am Rande bemerkt: In der Ritschausgabe Dezember 1999 (Mitteilungsblatt der Gemeinde Neumarkt) schrieb Hedwig Zanotti im Rückblick auf das 20. Jahrhundert in unserem Heimatdorf zu diesem denkwürdigen Tag:

„Die Neumarktner veranstalteten am 29. Juli 1914 einen Fackelumzug durch das Dorf und durch die mit Lampions märchenhaft geschmückten Lauben, an dem alle Vereine, Honoratioren, die in der Vill stationierten Artilleriegarnison und die ganze Bevölkerung begeistert teilnahmen. Man ließ Kaiser und Vaterland hochleben, doch schon bald verwandelte sich die Siegeszuversicht in schweres Leid und bittere Not“.

Man verzeichnete sehr bald darauf die ersten gefallenen Soldaten.


Die „Tirggtschurtschen“

In der „Schusterwerkstatt“ gewinnt man einen interessanten Einblick in einen freigelegten Teil der Trennwand des Laubenhauses. Dort wurden abgerebbelte Maiskolben, die sogenannten „Tirggtschurtschen“ in ein Fachwerk aus Holzlatten geschichtet, um als Füll-und Dämmmaterial zu dienen. Verdeckt mit einem Mörtelverputz und Kalkanstrich bildete diese Bauweise eine leichte Isolierwand.

Auch in Fußböden und Decken fanden die „Tirggtschurtschen“, Schilfstroh und ähnliche Materialien stets Verwendung. Sie wuchsen vor der Haustür und kosteten außer der Mühe des Beschaffens nicht viel.

Tirgg als Dämmaterial in der Hauswand

Verwendung der Tirggtschurtschen als dämmendes Füllmaterial in den Mauerwänden

 

Vom Tirgg wurde alles verwendet

Der Mais wurde in unserer Gegend in den vorigen Jahrhunderten massiv angebaut. Der „Türgg“ oder „Plent“ war neben der Kartoffel eine wichtige Nahrungsgrundlage der Bevölkerung. Es wurde buchstäblich die ganze Maispflanze verwendet, für Mensch, Tier und Haushalt.

Aus den „Tschillen“ hat man Fußmatten, Körbe und Pantoffelsohlen geflochten. Die guten sauberen „Tschillen“ steckte man als Füllmaterial in die Bettsäcke (anderswo war es das Stroh). Der Abfall dieser trockenen Blätter und die hohen Stengel, „der Penegol“, kamen in die Futtermaschine. Sie wurden klein gehächselt und als Streu im Stall oder mit Heu vermengt als Tierfutter verwendet.

Die „Türggkolben“ schließlich eigneten sich vorzüglich zum Feuermachen im Herd und Ofen und fehlten in keinem bäuerlichen Haushalt. Die Korbflasche mit dem „Leps“ wurde ebenfalls mit einem Kolbenstück verschlossen – Stöpsel aus Kork waren damals noch Mangelware.

Mit dem Beginn des Obstanbaus verschwanden langsam die großen Maisfelder und die vielfache Verwendung der Maispflanze wurde durch neue Materialien abgelöst.


Die Flitspritze

Wenn man der Mücken- und Fliegenplage im ländlichen Gebeit nicht mehr Herr war, und auch die Fliegenglocke nicht mehr half, griff man schließlich zur Chemie.

Dazu gab es ein besonderes Gerät das in der alten Rauchküche zu sehen ist: Die Fliegen- oder Flitspritze, auch im Kulturgüterkatalog mit der Inventarnummer 0055 vermerkt.

Flitspritze

Die Fliegen- oder Flitspritze

 

Für die ältere Generation nichts Neues, jedoch die jüngeren Leute wissen bei den Führungen meist nicht, wozu dieses Ding gebraucht wurde. Die wahre „Wunderwaffe“ zur Ungezieferbekämpfung die ihr Ziel nicht verfehlte wird folgendermaßen beschrieben:

Hell- u. dunkelblau lackiertes Metallrohr mit roter Schrift „SUPER VITTORIA / VAPORIZZATORE“ mit aufsteckbarer schwarzer Kappe zum Verschließen, beweglichem Eisenstab mit gedrechseltem Holzgriff. Spritzen erfolgt durch Aus- u. Einziehen des Stabes wobei die giftige Flüssigkeit durch einen feinen Zerstäuber gezielt im Raum verteilt wurde.

 

Die Flitspritze ist bis heute Synonym der Schädlingsbekämpfung und der Schrecken des Ungeziefers geblieben. Längst ist sie von der Treibgas-Spraydose abgelöst worden. Über Risiken und Nebenwirkungen und ob sie wirklich so gut war, sollte man lieber nicht nachdenken.

Diese Flitspritzen hat man bis in die 60gerjahre des vorigen Jahrhunderts verwendet.


Die Schnurrbarttasse

Die Barttasse aus dem Museum für Alltagskultur in Neumarkt stammt aus der Mitte des 19. Jh. und wurde in der Porzellanmanufaktur Fischer & Mieg in Pirkenhammer (Deutschland) hergestellt.

Diese Tasse für Männer besitzt eine Abdeckung mit einer halbkreisförmigen Öffnung, die den Schnurrbart und das Wachs, das im 19. Jh. zur Schnurrbartmodellierung verwendet wurde, vor der Benetzung durch das Getränk und dem Aufweichen des Bartes durch heißen Dampf beim Trinken schützen sollte.

Schnurrbartasse

Schnurrbarttassen wie diese sollten den Schnurrbart vor dem Aufweichen schützen.

 

Barttassen wurden meist aus Porzellan hergestellt, seltener aus Steingut oder Silber. Verbreitet waren sie im englischen, französischen, deutschen und nordamerikanischen Kulturraum um 1860 bis 1920. Heute sind sie begehrte Sammlerstücke.

Die Erfindung der Barttasse wird dem englischen Töpfer Harvey Adams zugeschrieben, der eine Porzellanfabrik besaß. Es gibt Barttassen sehr bekannter Porzellanhersteller aus Derby, Meißen, Limoges oder Imari.

Die Schnurrbarttasse aus unserem Museum hat es im Jahr des Museumsobjektes 2013 mit dem Motto „1000+1 Dinge erzählen Geschichte“ auch in die Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“ geschafft, in die Rubrik „Objekt der Woche“ (Download PDF, 2 MB).


Öffnungszeiten

Ostern-Allerheiligen:
So, Di, Fr 10–12 h
Mi, Do 16–18 h
und

Führungen für Gruppen

Auf Anfrage gibt es Führungen für Gruppen
auch außerhalb der Öffnungszeiten!

 

Museumsverband Südtirol