Die „Tirggtschurtschen“

In der „Schusterwerkstatt“ gewinnt man einen interessanten Einblick in einen freigelegten Teil der Trennwand des Laubenhauses. Dort wurden abgerebbelte Maiskolben, die sogenannten „Tirggtschurtschen“ in ein Fachwerk aus Holzlatten geschichtet, um als Füll-und Dämmmaterial zu dienen. Verdeckt mit einem Mörtelverputz und Kalkanstrich bildete diese Bauweise eine leichte Isolierwand.

Auch in Fußböden und Decken fanden die „Tirggtschurtschen“, Schilfstroh und ähnliche Materialien stets Verwendung. Sie wuchsen vor der Haustür und kosteten außer der Mühe des Beschaffens nicht viel.

Tirgg als Dämmaterial in der Hauswand

Verwendung der Tirggtschurtschen als dämmendes Füllmaterial in den Mauerwänden

 

Vom Tirgg wurde alles verwendet

Der Mais wurde in unserer Gegend in den vorigen Jahrhunderten massiv angebaut. Der „Türgg“ oder „Plent“ war neben der Kartoffel eine wichtige Nahrungsgrundlage der Bevölkerung. Es wurde buchstäblich die ganze Maispflanze verwendet, für Mensch, Tier und Haushalt.

Aus den „Tschillen“ hat man Fußmatten, Körbe und Pantoffelsohlen geflochten. Die guten sauberen „Tschillen“ steckte man als Füllmaterial in die Bettsäcke (anderswo war es das Stroh). Der Abfall dieser trockenen Blätter und die hohen Stengel, „der Penegol“, kamen in die Futtermaschine. Sie wurden klein gehächselt und als Streu im Stall oder mit Heu vermengt als Tierfutter verwendet.

Die „Türggkolben“ schließlich eigneten sich vorzüglich zum Feuermachen im Herd und Ofen und fehlten in keinem bäuerlichen Haushalt. Die Korbflasche mit dem „Leps“ wurde ebenfalls mit einem Kolbenstück verschlossen – Stöpsel aus Kork waren damals noch Mangelware.

Mit dem Beginn des Obstanbaus verschwanden langsam die großen Maisfelder und die vielfache Verwendung der Maispflanze wurde durch neue Materialien abgelöst.

Öffnungszeiten

Ostern-Allerheiligen:
So, Di, Fr 10–12 h
Mi, Do 16–18 h
und

Führungen für Gruppen

Auf Anfrage gibt es Führungen für Gruppen
auch außerhalb der Öffnungszeiten!

 

Museumsverband Südtirol